Der Kaminkehrer: Ihr Sicherheits-, Umwelt- und Energieexperte

bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger

Klaus Herrmann

Vergleich Innendämmung und Aussendämmung

Öfters wird die Frage gestellt, ob eine Wärmedämmung auf der Aussenseite der Wand sinnvoller ist als die Dämmung raumseitig. Grundsätzlich gilt hierfür:

Beide Dämmmaßnahmen müssen fachmännisch ausgeführt werden, um Spätfolgen (durch allmählich wirkende Schäden) oder gleich erkennbare Schäden zu vermeiden.

Die Wärmedämmung greift grundsätzlich in die Bauphysik eines Gebäudes ein, weshalb die physikalischen Gesetzmäßigkeiten sorgfältig beachtet werden müssen. Häufige Ursachen für Schäden sind Fehler durch Einfluss von Feuchtigkeit oder mangelhafte Feuchtigkeitstransporte im mehrschaligen Wandaufbau.

 

Vergleich der Dämmmöglichkeiten:

 

Vorteile der Aussendämmung


  •  

  • die Dämmwirkung ist besser, weil es systembedingt weniger Wärmebrücken gibt. Die typischen Wärmebrücken (z.B. Geschossdecken, Hausecken ...) werden von der flächengrößeren Seite gedämmt. Dadurch werden die meisten Schwachstellen "überdämmt".

     

  • es tritt kein Verlust der Raumgröße auf

     

  • die Dämmstärke kann theorethisch in nahezu unbegrenzter Stärke aufgebracht werden.

     

  • es entstehen weniger kalte Stellen aufgrund schlecht dämmbarer Bauteilanschlüsse (z.B. Fensterbereich)

     

  • die Dämmung ist meistens kostengünstiger auszuführen, weil großflächig gedämmt werden kann.

     

  • durch die Dämmung wird die innere Oberfläche der Wand wärmer. Es stellt sich daher ein höheres Behaglichkeitsgefühl ein. Die Gefahr der feuchten Wände und der daraus resultierenden Schimmelbildung wird deshalb wesentlich minimiert.

     

  • die Wärmespeicherfähigkeit der Wand wird erhöht und trägt damit zu erhöhter Behaglichkeit bei (geringere Temperaturschwankungen)

     

     

    In manchen Fällen ist die Außendämmung jedoch nicht möglich, z.B.

  • bei Mietwohnungen oder Eigentumswohungen, wenn nur einzelne Mieter/Eigentümer dämmen wollen.

  • bei denkmalgeschützten Gebäuden

  • teilweise bei Fachwerkhäusern und Doppel- bzw. Reihenhäusern.

  • bei wenig und nur kurzzeitig genutzten Häusern hat die Innendämmung Vorteile, weil die ausgekühlten Räume schneller erwärmt werden können.

     

    wichtig ist die Abstimmung der Dämmateralien und des übrigen Wandaufbaus zu dem bestehenden Wandaufbau. Es sind unbedingt nur aufeiunander abgestimmte Systembauteile zu verwenden und die Montageanleitungend der Hersteller genau zu beachten. Ansonsten können Schäden z.B. wegen gehemmten Feuchtetransports innerhalb des Bauteils auftreten.

     

    Vorteile der Innendämmung


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  • die Ausführung ist auch für einzelne Räume oder Wohnungen möglich

     

  • ideal für Mietwohungen, Eigentumswohungen wenn nicht die gesamte Außenhaut gedämmt werden soll/kann

     

  • bei Ferienhäusern oder wenig benutzten Anwesen ist die Innendämmung vorteilhaft, weil ausgekühlte Wände schneller aufgeheizt werden können.

     

     

     

     

     

     

  • die Ausführung ist sehr problematisch, weil die raumseitig abschließende Fläche unbedingt dauerhaft luftdicht abschließen muss. Ansonsten treten sehr häufig Feuchtigkeits- und evt. Friostschäden auf, wenn die warme feuchte Raumluft an der kalten Innenfläche der Außenwand auskondensiert!

     

  • es entstehen gerne Wärmebrücken, weil ie Dämmung z.B. in Raumecken meist nur ungenügend ausgführt werden kann bzw. ausgeführt wird.

     

  • die Räume heizen sich schneller auf, kühlen aber auch wieder schneller ab. Die ehemals vorhandene Wärmespeicherfähigkeit der Wand wird durch die Innendämmung vernichtet. ("Barackenklima" z.B. an heißen Sommertagen)

     

    Grundsätzlich sollte immer eine Aussendämmung bevorzugt werden, sofern dies aus Denkmalschutzgründen und in Übereinstimmung mit evt. Mitbewohnern umgesetzt werden kann.


gedämmte Außenwände sind empfindlicher für Schimmelbefall ????

Der Volksmund urteilt oft: "gedämmte Wände gehen schneller kaputt". Wie vereinbart sich dies mit den Vorteilen einer Wanddämmung?

 

Die Ursache dieser Aussage beruht immer in einer fachmännisch nicht korrekten Bauausführung. Der Fachmann weiß, dass durch Wände Feuchtigkeit abtransportiert wird (Diffusion) und er dieser physikalischen Erscheinung keine Widerstände entgegen setzen darf. Der Laie spricht hier auch gerne von atmenden Wänden, wobei dies fachlich falsch ist. (Oder haben Sie schon einmal Atenluft durch eine Wand ansaugen können?)

Der bauphysikalsich richtige Wandaufbau muß auf der Kaltseite mindestens soviel Feuchtigkeit an die Außenluft austreten lassen, wie auf der Warmseite aufgenommen wurde. Wird diese Grundregel nicht berücksichtigt, kommt es zu einem Feuchtigkeitsstau und dementsprechenden Feuchteschäden. Daher ist die fachmännische Ausführung so wichtig!

 

Denken Sie in diesem Zusammenhang an die gängige Regenbekleidung bei der zwar die äußere Feuchtigkeit abgehalten wird, die Kleidung aber aufgrund der an der Innenseite der Regenhaut angelagerten Kondensatfeuchtigkeit trotzdem nass wird.


Ursachen für die Entstehung von Schimmel und Pilzen

Feuchte Wände führen nicht nur zu einer Verschlechterung der Wärmedämmeigenschaften, sondern führen zudem leider auch zu einem erhöhten Feuchtegehalt im Inneren der Wände. Dies ist ein ursächlicher Grund für die Entstehung von Schimmelpilzen.

 

Zuerst vorneweg: der häufig geäußerte Ausspruch "zu stark gedämmte Wände führen zu Schimmelpilz" entbehrt jeglicher physikalischen Grundlage.

 

Richtig ist dagegen:

Schimmel bildet sich an Stellen, an denen sich organische Stoffe befinden und eine dauerhafte Feuchtigkeit von über ca. 80% vorherrscht. Betrachtet man den Feuchtegehalt in einer Wand genauer so erkennt man: Die Feuchte kondensiert aus dem Feuchtegehalt der Raumluft und setzt sich an den kühlsten Flächen des Raumes ab. Diese Flächen müssen saugfähig sein, um die Feuchtigkeit aufnehmen zu können. Nur wenn der Faktor Feuchte der Wand und organischer Baustoff zusammen kommen kann Schimmel entstehen. (Fensterscheiben oder Spiegelwände beschlagen auch mit Feuchtigkeit; trotzdem bildet sich dort kein Schimmel, weil die Oberfläche nicht organisch ist!)

Durch die Wärmedämmung (meistens auf der Kaltseite angebracht) wird die Innentemperatur der Wand wärmer und die Gefahr der Kondensatausscheidung unwahrscheinlicher. Also führt eine Wärmedämmung sogar zu verminderter Gefahr der Schimmelbildung.

Die Gefahr von feuchteren Wänden kann alllerdings trotzdem durch Sanierungsmaßnahmen erhöht werden. Dies ist dann der Fall, wenn neue Fenster mit Dichtungen eingebaut werden und die entstehende Raumfeuchte nicht konsequent weggelüftet wird. Bei den alten Fenstern erfolgte aufgrund der energetisch ungewollten Undichtheiten eine ständige Vermischung der Raumluft mit Frischluft. Durch den Einbau von Dichtungen in den Rahmen der neuen Fenster erreicht die Raumluft sehr viel schneller einen höheren Feuchtegehalt weil die Durchmischung fehlt. Der ansteigende Feuchtegehalt im Raum sucht dann das kälteste Bauteil welches jetzt die Wandoberfläche ist. (Die neuen Fenster besitzen im Regelfall eine bessere Wärmedämmung als die unsanierte Wand!). Während bislang das Kondensat an der Fensterscheibe keinen Schaden anrichten konnte, besteht durch die Saugfähigkeit der Wand ein gutes Milieu für die Schimmelbildung.

Bauphysikalisch gesehen ist es deshalb immer sehr gefährlich nur die Fenster auszutauschen und die Wandflächen ungedämmt zu belassen! Die wahrscheinliche Erhöhung der Raumluftfeuchte muss dann unbedingt durch verstärktes konsequentes Lüftungsverhalten kompensiert werden!





Bundesland: Bayern
- Zentralinnungsverband (ZIV) -

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