
bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger
Klaus Herrmann
Schimmel entsteht immer dann, wenn die entsprechenden Schimmelsporen vorhanden sind und diese auf einen guten Nährboden organischer Natur sowie einen Mindestfeuchtegehalt treffen.
Anders ausgedrückt wird die Schimmelbildung bzw. das Wachstum des Schimmelpilzes gestoppt, wenn eine der drei Voraussetzungen wegfällt.
Welche Vorraussetzungen sind am einfachsten zu entfernen?
- Schimmelsporen sind normale Bestandteile der Luft bzw. der Innenraumluft und lassen sich dort nur aufwändig vermeiden.
- die Nährböden (z.B. Gipskartonplatten, Gipsputze) sind häufig baulicherseits bereits vorgegeben. Hier ist in der Regel nur bei Sanierungen ein Ansatzpunkt gegeben.
- den meisten Einfluss hat der Nutzer auf den Feuchtegehalt an der Oberfläche, deshalb soll hier eine nähere Betrachtung stattfinden. Für das Schimmelwachstum hat der Feuchtegehalt an der betreffenden Oberfläche die größte Wirksamkeit. Hier spielt auch die Feuchtespeicherfähigkeit des Materials eine Rolle. Der Nutzer kann jedoch durch sein Verhalten (Heiz- und Lüftungsverhalten sowie Verhalten zum Feuchteeintrag) die Entstehung von hoher Luftfeuchte entscheidend beeinflussen.
Um den Feuchteeintrag minimieren zu können, sind folgende physikalische Grundkenntnisse zu beachten:
- die Feuchtigkeit entsteht als Folge von Kondensation (Schwitzwasser) aus der Raumluft.
- der Kondensatausfall ist daher vom Feuchtegehalt der Raumluft und der Oberflächentemperatur des Baustoffes abhängig.
Die Oberflächentemperatur am Bauteil kann nur durch Wärmedämmung des Bauteils oder verstärkte Wärmezufuhr an das Bauteil (Heizkörper in leer stehenden Zimmern aufdrehen!) erhöht werden. Die Raumfeuchte kann einfacher verringert werden:
- zusätzlichen Feuchteeintrag in die Räume vermeiden (z.B. keine Wäsche in Wohnräumen trocknen)
- die vorhandene Luftfeuchtigkeit öfters mit trockener Außenluft austauschen
Beides bringt den Effekt eines geringeren Feuchtegehalts in der Raumluft und damit ein geringeres Schimmelrisiko.
Um festzustellen, wie hoch das Potential für Schimmelwachstum in Ihrer Wohnung ist, muss außer der Raumlufttemperatur auch die Oberflächentemperatur des Baustoffes an den befallenen oder gefährdeten Stellen gemessen werden. Dazu sollte ein sog. Beharrungszustand erreicht sein. (d.h. das Zimmer ist bereits einige Stunden vor der Messung normal zu beheizen) um eine aussagekräftige Wandtemperatur zu erreichen. Zusätzlich wird mit einem Luftfeuchtemesser (Hygrometer) die herrschende Luftfeuchte in der Nähe der befallenen Stelle gemessen. Beim Kauf eines Hygrometers sollte auf hohe Messgenauigkeit geachtet werden - (verlässliche Hygrometer haben eine Abweichung von nur 2-3%, während einfachere Messgeräte auch gerne mal einen 10-15% niedrigeren Messwert anzeigen)
Mit den ermittelten Messwerten lässt sich mit dem nachstehenden Tool der Taupunkt berechnen. Die Oberflächentemperatur der Wand sollte dabei möglichst 1-2°C höher sein als die errechnete Taupunkttemperatur. Bei der Bewertung ist zu bedenken, dass die Oberflächentemperatur bei niedrigeren Außentemperaturen an Außenbauteilen meist nochmals absinkt. Auch im Feuchtegehalt ergeben sich in der Praxis tageszeitabhängige Schwankungen.
Hinweise zur Bedienung des Tools:
mit den Schiebereglern die gemessene Raumlufttemperatur und den Feuchtegehalt der Raumluft einstellen. Dabei sollten sowohl die Raumlufttemperatur als auch die Feuchte im Bereich der zu bewertenden Stelle gemessen werden. Bei spielerischer Handhabung lässt sich deutlich ablesen, dass die Schimmelgefahr insbesondere durch die Verringerung der Luftfeuchte und erst in zweiter Linie durch eine Erhöhung der Raumlufttemperatur beeinflusst wird.
Um die Daten zu erhalten, wenden Sie sich bitte an die zuständige Behörde.
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